Wella zeigt Friseur:innen als kreative Handwerker:innen, die beraten, gestalten und Menschen bei Veränderungen begleiten. Die Kampagnen rücken persönliche Begegnungen und das Können im Salon in den Mittelpunkt. Sie machen die Arbeit sichtbarer, belegen aber keine messbare Verbesserung des Berufsansehens.
Friseurarbeit beginnt beim Menschen
Ein Haarschnitt oder eine neue Farbe ist oft mit einem persönlichen Anlass verbunden. Wella griff diesen Gedanken 2014 in der Kampagne „Friseure bewegen“ auf: Die Filme zeigten Friseur:innen und Kund:innen etwa bei einer Einschulung, einer Hochzeit oder einem beruflichen Neuanfang. Damit erschien der Salonbesuch als Teil solcher Lebensphasen, in denen Aussehen und Selbstvertrauen eine Rolle spielen.
Die Kampagne gab Friseur:innen eine eigene Stimme. Über Aufrufe in sozialen Netzwerken konnten sie sich an den Filmen beteiligen. So rückte Wella neben dem fertigen Look auch die Beratung und die Beziehung zwischen Kund:in und Friseur:in ins Bild. So zeigt Wella den Friseurberuf als persönliche Dienstleistung: Friseur:innen verbinden handwerkliches Können mit dem Umgang mit Menschen.
Wella zeigt Geschichten aus dem Salon
Mit „Das ist dieser Moment“ lud Wella 2022 Salons und Beschäftigte dazu ein, eigene Geschichten zu teilen. Dazu gehörten etwa die Rettung einer misslungenen Färbung zu Hause, die Gestaltung grauen Haars oder die Begleitung einer Kundin über verschiedene Lebensphasen hinweg. Die Beschäftigten konnten ihre Erlebnisse über soziale Medien unter einem gemeinsamen Hashtag verbreiten.
Das Format zeigt, was Friseur:innen konkret tun und wie sie mit Kund:innen zusammenarbeiten. Gleichzeitig verfolgte Wella damit auch geschäftliche Ziele: Das Unternehmen nannte mehr Salonbesuche, neue Kund:innen und höhere Umsätze. Wella wollte damit zugleich für die Marke werben und den Absatz steigern. Solche Geschichten zeigen, wie Wella den Beruf darstellen möchte. Sie liefern keine unabhängige Bewertung des Friseurhandwerks.
Kreativität braucht Ausbildung
Wella verbindet die öffentliche Darstellung des Berufs mit Angeboten für den Nachwuchs. Bei den Friseur-Erlebnistagen „Du machst den Style“ konnten Jugendliche Trends und Haarmode kennenlernen und mit erfahrenen Friseur:innen sprechen. Ein Branchenbericht nannte für zwei Veranstaltungen im Jahr 2012 mehr als 500 Besucher:innen. Die Zahl beschreibt diese Termine, sagt aber nichts darüber aus, ob die Jugendlichen später eine Ausbildung begannen.
Auch die Zusammenarbeit von Wella mit der Klier Hair Group bietet Einblicke und Weiterbildung. Ein Bericht über einen Welcome Day 2022 beschrieb Ausbildungsangebote in Schnitt und Coloration. Auch Styling gehörte dazu. Außerdem gab es Weiterbildung in Wella-Studios. Solche Einblicke helfen Jugendlichen, den Berufsalltag konkreter einzuschätzen: Friseur:innen gestalten Looks, beraten Kund:innen und lernen neue Techniken. Bei der Berufswahl zählt auch, wie die Ausbildung an einem konkreten Platz abläuft und welche Entwicklungsmöglichkeiten es gibt.
Wella setzt auf individuellen Ausdruck
2025 stellte Wella Professionals die Kampagne „Make It You“ vor. Sie betont den persönlichen Ausdruck und die Zusammenarbeit von Friseur:innen und Kund:innen. Das zeigt Friseur:innen als Fachleute, die mit Kund:innen Veränderungen entwickeln, die zu deren persönlichem Stil passen.
Die Kampagne zeigt eine moderne Seite des Berufs: Kreativität verbindet sich mit Fachwissen und Beratung. Sie bleibt zugleich Markenkommunikation. Sie belegt weder eine Veränderung der öffentlichen Meinung noch bessere Arbeitsbedingungen oder ein größeres Interesse an Ausbildungsplätzen.
Was Jugendliche prüfen sollten
Wer überlegt, Friseur:in zu werden, sollte sich neben Kampagnenbildern auch selbst ein Bild vom Salonalltag machen. Ein Gespräch mit Auszubildenden oder ein Besuch bei einem Salon zeigt, wie Beratung, Handwerk und Kundenkontakt im Alltag zusammenkommen. Fragt bei einem Ausbildungsplatz konkret nach den Aufgaben und danach, wie Auszubildende während der Ausbildung begleitet werden. Erkundigt euch auch nach möglichen Weiterbildungen.
Auch die Rahmenbedingungen gehören zur Entscheidung. Jugendliche und Eltern sollten fragen, wie ein Arbeitstag abläuft und was der Betrieb von Auszubildenden erwartet. Auch die Möglichkeiten nach der Ausbildung gehören zu diesen Fragen. Die Kampagnen von Wella machen den kreativen und persönlichen Teil des Berufs sichtbar; die Bedingungen im jeweiligen Salon müssen Interessierte selbst prüfen.
