Wiederkehrende Kopfschmerzen, Rückzug oder Übelkeit können bei Kindern auf Migräne hindeuten. Sie äußert sich oft anders als bei Erwachsenen: Bauchschmerzen, Erbrechen oder Schwindel stehen manchmal im Vordergrund. Einzelne Anzeichen reichen nicht für eine Diagnose.
Während einer Attacke helfen oft Ruhe, wenig Licht und Schlaf. Bei wiederkehrenden Beschwerden sollte eine Kinderärztin oder ein Kinderarzt das Kind untersuchen und mit den Eltern eine passende Behandlung besprechen.
So zeigt sich Migräne bei Kindern
Kindermigräne kann sich durch Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder Schwindel bemerkbar machen; der Schmerz sitzt bei Kindern häufiger auf beiden Seiten des Kopfes. Manche Kinder reagieren empfindlich auf Licht oder Geräusche, können das aber noch nicht gut benennen. Sie ziehen sich dann zurück, meiden helle Räume oder möchten schlafen.
Auch wiederkehrende Bauchschmerzen und Appetitverlust können dazugehören. Gelegentlich treten bei Kindern starke Übelkeit, Erbrechen und Schwindel auf, ohne dass sie gleichzeitig Kopfschmerzen haben. Schlaf kann eine Attacke beenden oder dazu führen, dass sich das Kind danach zunächst besser fühlt.
Solche Beschwerden sind Hinweise, aber kein Beweis für Migräne. Kopfschmerzen haben bei Kindern verschiedene Ursachen. Nach Angaben des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit haben bis zu fünf Prozent der Kinder Migräne. Kopfschmerzen allgemein sind deutlich verbreiteter und dürfen nicht mit Migräne gleichgesetzt werden.
Was beim Arzttermin hilft
Bei wiederkehrenden oder auffälligen Beschwerden sollte die Familie einen Termin in der Kinderarztpraxis vereinbaren. Die Ärztin oder der Arzt fragt unter anderem, wann die Schmerzen beginnen, wo sie sitzen, wie lange sie anhalten und welche weiteren Beschwerden das Kind hat. Wichtig ist auch, ob die Beschwerden Schule, Spielen oder Alltag beeinträchtigen.
Ein Kopfschmerztagebuch hilft, diese Informationen festzuhalten. Notieren Sie nach einer Episode den Zeitpunkt, die Dauer und die Beschwerden. Halten Sie außerdem fest, wie das Kind geschlafen und gegessen hat, was gerade los war und ob es Schule oder Freizeit ausfallen lassen musste. Das Tagebuch unterstützt das Gespräch, stellt aber selbst keine Diagnose.
So helfen Sie während einer Attacke
Bieten Sie Ihrem Kind einen ruhigen Platz an und reduzieren Sie Licht und Geräusche. Ein kühler Waschlappen oder ein Kühlpack mit Stoff dazwischen auf Stirn oder Schläfen kann angenehm sein. Manche Kinder bevorzugen ein Wärmekissen im Nacken. Lassen Sie Ihr Kind trinken und schlafen, wenn es das möchte. Frische Luft kann ebenfalls guttun.
Was hilft, ist von Kind zu Kind verschieden. Pfefferminzöl kommt in manchen Empfehlungen vor, ist aber nicht für jedes Alter und jedes Kind geeignet. Kleine Kinder reagieren zudem empfindlich auf Gerüche. Lassen Sie sich dazu beraten, statt ein Hausmittel einfach auszuprobieren. Massagen können angenehm sein, gelten aber nicht als verlässliche Behandlung für alle Kinder.
Medikamente sicher geben
Geben Sie Schmerzmittel nur in einer für Kinder geeigneten Form und nach Rücksprache mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer Apothekerin beziehungsweise einem Apotheker. Alter, Gewicht und die konkrete Situation bestimmen, welches Mittel infrage kommt. Übertragen Sie weder eine Erwachsenendosis noch ein Präparat aus der Hausapotheke eigenständig auf Ihr Kind.
Wenn die Kinderärztin oder der Kinderarzt ein Medikament für Attacken empfiehlt, halten Sie sich an die vereinbarte Anwendung. Die deutsche Fachleitlinie nennt Ibuprofen als bevorzugtes Medikament für die Behandlung einer Attacke und Paracetamol als weitere Möglichkeit. Für manche Migränemittel gelten Altersgrenzen und besondere Zulassungsregeln. Fragen Sie deshalb in der Kinderarztpraxis nach, was für Ihr Kind passt.
Vorbeugen ohne Verbotslisten
Regelmäßige Schlaf- und Essenszeiten, Bewegung und Pausen geben dem Alltag Struktur. Entspannungsübungen können ebenfalls einen Versuch wert sein. Diese Maßnahmen verhindern Migräne nicht sicher, unterstützen aber einen verlässlichen Tagesablauf.
Suchen Sie gemeinsam im Tagebuch nach möglichen Zusammenhängen. Vielleicht treten Beschwerden nach wenig Schlaf oder in bestimmten Situationen auf. Das bedeutet nicht automatisch, dass diese Umstände die Migräne auslösen. Streichen Sie keine Lebensmittel vorsorglich aus dem Speiseplan; besprechen Sie wiederkehrende Muster mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt. Bei häufigen oder stark belastenden Attacken lässt sich dort auch klären, ob eine vorbeugende Behandlung sinnvoll ist.
Wann ärztliche Hilfe nötig ist
Lassen Sie häufig wiederkehrende Kopfschmerzen und den Verdacht auf Migräne ärztlich abklären. Suchen Sie rasch medizinische Hilfe, wenn die Schmerzen plötzlich sehr stark einsetzen oder zusammen mit Fieber und heftigen Nackenschmerzen auftreten. Das gilt auch, wenn die Schmerzen zunehmend stärker werden oder länger als drei Tage anhalten. Kopfschmerzen mit Schwindel oder Sehstörungen nach einem Sturz oder Schlag auf den Kopf sollte ebenfalls bald ärztlich untersucht werden.
Wirkt Ihr Kind nicht ansprechbar, verliert es das Bewusstsein oder bekommt es einen Krampfanfall, rufen Sie den Notruf 112. In solchen Situationen zählt sofortige Hilfe.
